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Ich bin Läufer.

Aus Leidenschaft. Ich laufe täglich. Wenn mich jemand fragt, wie oft ich denn laufe, ensteht an dieser Stelle normalerweise eine längere Gedankenpause - ”Täglich?”

Sieben Tage pro Woche, 52 Wochen im Jahr. Bei Wind und Wetter. “Streak-Running” nennen die Amerikaner das. Eine “Streak” ist eine ununterbrochene Serie von Trainingstagen. So eine Streak motiviert ungemein, wenn der innere Schweinehund mit allerlei ausgeklügelten Argumenten einen trainingsfreien Tag rausschinden will, das dürfen Sie mir glauben. Meine bisher längste Streak nahm ihren Beginn am 03. August 2000 und endete Im Juli 2003. Ein Nierenstein hatte etwas dagegen, mich diese weiter fortsetzen zu lassen.

Der Leidenschaft Laufen verfallen bin ich aber schon viel früher. In Kindheitstagen ist die Konfrontation mit dem Mythos zu vermerken. Mein Großvater erzählte mir eines Tages, ich meine es war zur Olympiade 1972, die Legende vom antiken Botenläufer, der die freudige Nachricht des Sieges im Kampf der Athener gegen die Perser überbrachte und danach tödlich erschöpft zusammenbrach. Das hat mich damals sehr beschäftigt. Auf sonntäglichen Autoausflügen mit der Familie wuchs die Erfurcht vor der Entfernung von 42,195 km. Von Straubing nach Regensburg waren es fast genau 42 km. Als Kind für mich eine übermenschliche Leistung die die Marathonläufer da ablieferten. Daß ich selbst einmal den Mythos herausfordern würde, daran hatte ich damals nie gedacht.

Etwa ab 1983 unternahm ich erste Versuche, dann lange Unterbrechungen, zwiespältige Erfahrungen mit dem dienstplanverordneten Laufen bei der Bundeswehr, erneute halbherzige Versuche - aber verfallen bin ich dem Laufen dann eigentlich erst im September 1990. Ein Jahr später der erste Marathon, dem dann in den Folgejahren weitere folgten, ungezählte Halbmarathons, 10-km-Läufe, Volksläufe auf der Straße und im Gelände, Radmarathons, Triathlons. Schnell bin ich nie gewesen, dazu habe ich wohl auch kein rechtes Talent. Der Kampf gegen überflüssige Pfunde - ich koche genauso gerne, wie ich die Resultate esse - vereitelte zudem stets Zeiten, die man stolz herumreichen hätte können. Für mich sind Wettkämpfe vielmehr immer Motivationshilfen gewesen, Zielmarken in der Zukunft, auf die ich hingearbeitet habe, Gemeinschaftserlebnisse. Die Sahnehäubchen im Jahr eines Läufers.

Speziell die großen Stadtmarathons, wie der in Berlin haben es mir besonders angetan. Das Laufen im hinteren Drittel des Feldes hat m.E. ohnehin die größeren Reize. Man trifft skurille Zeitgenossen, kann sich prima unterhalten, das Publikum feuert die Läufer im hinteren Drittel, sie als Leute wie du und ich betrachtend, oft noch frenetischer an, als die Sieger des Laufes. Man genießt die Atmosphäre außerdem deutlich länger, als wenn man in Weltrekordtempo dahinfliegen würde. Würden Sie den Filmvorführer im Kino bitten Ihren Lieblingsfilm schneller laufen zu lassen, um den Genuß zu steigern?

Mein Hunger nach Wettkampferlebnissen hat in den letzten Jahren deutlich nachgelassen. Vielleicht wird sich das eines Tages wieder ändern. Das Laufen an sich ist mir Freude und Befriedigung genug. Ich betrachte das, nicht geknüpft an eine Wertung, als logischen evolutorischen Prozeß der Läuferpersönlichkeit.

Das Erwachen eines jungen Sommertages, das tägliche Wiedersehen mit den Hasen auf den Feldern, die Lichtstimmungen an einem sonnigen Herbsttag auf den Winzerer Höhen, ein Platzregen im April der mich knochentief durchweicht, das Knirschen frisch gefallenen Schnees unter meinen Sohlen an einem klirrend kalten Januartag. Alleine oder zu zweit. Laufen in größeren Gruppen ist meine Sache nicht. Ich ziehe die sprichwörtliche “Loneliness of the long distance runner” vor, allenfalls ein Lauf zu zweit kann mit dem richtigen Laufpartner ein schönes Erlebnis sein.

Freunde und Bekannte haben mich oft gefragt, warum ich mein Wissen und meine Erfahrung rund um das Laufen nicht in systematisierter Form  an Interessierte weitergebe. Ich weiß nicht, ob ich einzigartige Neuigkeiten und Memorabilia beizusteuern habe. Im Grunde ist jeder Läufer ein “experiment-in-one”. Generalisierungen sind m.E. nur sehr bedingt möglich. Was für den einen Läufer gut und richtig ist, kann für den anderen grundverkehrt sein. Ich hege nach langjähriger Beschäftigung mit der einschlägigen Fachliteratur aus methodischer Sicht heraus ein tiefes Mißtrauen gegen viele Erkenntnisse der Sport- und Ernährungswissenschaft. Was gestern als “wissenschaftlich bewiesen” galt, wird heute schon vehement kritisiert und morgen durch eine ebenfalls “wissenschaftlich bewiesene” neue Theorie ersetzt, die exakt das Gegenteil von dem propagiert, was zuvor als “state of the art” galt. Den meisten neuen Theorien ist es interessanterweise eigen, daß sie für die, die sich nach ihnen richten wollen mit Ausgaben verbunden sind, die auf Seiten der Sportartikel- und Pharmaindustrie als Einnahmen wieder auftauchen.

Was sollte ich, als Freizeitläufer ohne diplomierten wissenschaftlichen Background in den relevanten Bereichen da an Erhellendem besteuern können? Einen eigenen Standpunkt vielleicht? Einen eigenen Standpunkt zu umstrittenen Themen, den ich nicht als Dogma verstanden wissen will, schon eher als Diskussionsgrundlage, als Reibungspunkt zu manchen Inhalten der “herrschenden Meinung”. Als These, der eine Antithese entgegengestellt werden will, um im Widerstreit der Argumente der “Wahrheit” ein Stück näher zu kommen. Mehr nicht, aber auch nicht weniger. Was ich zu sagen habe wird  im Laufe der Zeit wachsen, an Umfang und Facetten zunehmen. Heute ist erst ein Anfang gemacht, der mit Sicherheit nicht all die vielen Themen behandlen kann, die eine auf den ersten Blick so einfache Sache wie das Laufen für mich und viele, viele Menschen so faszinierend vielfältig machen.

Ich lade alle Interessierten, Noch-Nicht-Läufer, Laufanfänger und “alte Hasen” ein, sich mit meinen persönlichen Gedanken zu einem faszinierenden Thema zu beschäftigen , sich zu reiben oder zu orientieren. Schnüren Sie vor allem aber die Schuhe und machen Sie ihre eigene Erfahrungen. Nur so finden Sie heraus, wer sie sind und was bei Ihnen an Tipps funktioniert und nicht funktioniert.

Die Noch-Nicht-Läufer und Anfänger will ich eindringlich warnen, worauf sie sich einlassen, wenn sie ein regelmäßiges Lauftraining aufnehmen: Sie werden ein neues, ein anderes Leben kennenlernen. Ihr Freundes- und Bekanntenkreis wird sich wahrscheinlich verändern. Ihr Tages-, Wochen-, Jahres-, Lebensrhythmus wird sich grundlegend verändern. Es besteht die Gefahr, daß sie mit Ihrem neuen Leben zu einem neuen Menschen werden. Nur wenn sie bereit sind, diese Risiken auf sich zu nehmen, sollten Sie weiterlesen.

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